Eva Menasse – Lässliche Todsünden… gelesen

Ein gutes Buch wird auch im richtigen Monat gelesen!

Lässliche Todsünden also… die Theologin in mir sollte sich jetzt wohl erstmals fragen, ob Todsünden lässlich sein können?

Da ich bei den meisten Geschichten allerdings nicht wirklich einen Bezug zum Titel des Buches bzw. der Erzählung herstellen konnte, lasse ich das.

Die 7 Erzählungen haben mir sehr gefallen. Sie sind in sich geschlossen, dennoch tauchen einzelne Personen an anderer Stelle wieder auf, allerdings ohne Bezug auf ihr vorheriges Erscheinen.

Es dreht sich um Menschen, um Beziehungen, um Familien, um das Seelenleben von Personen, um Männer und Frauen und Kinder, um Geld, um Tod, um Einsamkeit, um Sex.

Ich hätte den Geschichten gerne andere Überschriften gegeben, es kamen mir fast zu jeder Geschichte andere Wörter in den Sinn und fast in jeder Geschichte gab es Sätze, die mir hängengeblieben sind, über die ich gestolpert bin.

Die Trägheit kommt bei mir wie ein wenig Faulheit, Feigheit, Verzicht, aber auch wie Zufriedenheit, Bescheidenheit und Treue zu den Kindern rüber und der Held Fritz wirkt fast ein wenig symphatisch. Vor allem denkt er sich auf Seite 13

Und deshalb war er dann mitgegangen ins ‚Paradise Now‘, aus Erleichterung, aus schlechtem Gewissen und einem sich leise regeneden Allmachtsgefühl, das sich als Verantwortungsbewusstsein perfekt zu tarnen verstand.

Gefräßigkeit handelt von Martine und Fiona, im Hintergrund auch von einigen Männern und vor allem von der mangelnden Kommunikation. So vieles bleibt gedacht und nicht ausgesprochen, so vieles wird einander vorgespielt und nicht miteinander gelebt. Diese Geschichte hat mich traurig gemacht. So viele Verletzungen und kein Trost, so viel Egoismus und Ratlosigkeit – auch in mir nach dem Lesen.

Wollust – hach… Was hab ich mir da erwartet! Kriegen tut man hier einen Pfleger und eine Kranke. Für mich die widerlichste Beziehung in all diesen Geschichten. Ein Davonlaufen und Verleugnen, ein Flüchten in die Rollen des edlen Pflegers und der armen Leidenden. Und eigentlich so ein tolles Paar – nach außen.

Der Zorn von Ilka in ihrem alltäglichen Wahnsinn ist einem Satz so gut beschrieben – mehr als diesen Satz bräuchte die ganze Geschichte nicht.

Da reißt in Ilka drin mit einem leisen ‚Pling‘ diese dünne Schnur, die den blickdichten Vorhang trägt, und dahinter kommt schon der ganze Hang herunter.

Hochmut hätte ich gerne mit allein-allein überschrieben. Ein Mann, der alles hat und doch nur sein zuckendes Hirn spürt. Das Geschenk seines Freundes von Seite 143 nehm ich mir mit.

Zwischen rechts und links gibt es immer ein Geradeaus.

Neid zeigt sich in dieser Erzählung über geschiedenen Eltern, bis in den Tod hinein und noch darüber hinaus. Neid ist wohl das lächerlichste Gefühl überhaupt – so scheint es nach dem Lesen dieser Geschichte zumindest. Aber hier gilt wahrscheinlich auch der Satz auf Seite 208

Man kann erst nachdenken, wenn man Platz dafür hat.

Habgier handelt von Recht und Gerechtigkeit, von Existenzangst, von der Bescheidenheit der Frauen in Geldfragen, dem Umgang mit Forderungen, von Antisemitismus und Philosemitismus und von gelernten Österreichern.

… es wird sich schon eine Verwendung finden, man verwendet sich ja immer, wenn nicht hier, dann da. (Seite 252)

Genau darum werde ich das Buch nun weiterschenken, es wird sich schon eine Verwendung finden…

Bei diesem Buch macht das Verschenken Freude und ich hab schon einen Mann im Kopf!

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