Drachenfels…

Jetzt ist es endgültig kalt und ich bin froh, dass ich im Sommer fleißig war. Nun kann ich mich in meine vielen Tücher hüllen.

Ich weiß gar nicht, mit welchem ich anfangen soll… sind es doch einige geworden bislang und die Anregungen aus dem Internet werden nicht weniger.

Den Drachenfels haben schon einige gesehen und nicht wenige haben mich nach der Anleitung und der Wolle gefragt.

Also hier mal die Wolle:

Drei wunderschöne Stränge von Rosy Green Wool Cheeky Merino Joy in den Farben Laguna,  Cornwall Schiefer und Sand.

 

Wolle Strang

Gewickelt schaut das dann so aus

Wolle Knäul

Die Anleitung ist wieder von Melanie Berg aka Mairlynd.

Dies war mein allererstes Tuch von ihr und hat meine Begeisterung ausgelöst. Ihre Tücher sind einfach in meiner Lieblingsgröße designt. Ich kann sie wärmend wie eine Stola tragen, aber auch als Schal um den Hals wickeln.

Die ersten Reihen gehen flott, da der Anfang mit wenigen Maschen erfolgt und rechts und links immer zugenommen wird. Die erste Abwechslung kommt durch die Reihen in sand.

 

erste graue Streifen

Irgendwann blitzt auch die Farbe Laguna hinein.

 

Nahaufnahme

Durch die Farbwechsel strickt es sich schnell… nur noch bis zur nächsten blauen Reihe… nur noch ein paar Reihen in sand…

Ehe man sich versieht, ist das Tuch fertig!

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Und kann schon getragen werden…

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Es trägt sich wunderbar. Die Wolle ist warm und weich.

 

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Jetzt habe ich doch auch gerade gesehen, dass es einige neue Farben dieser Wolle gibt… da komme ich doch glatt ins Grübeln…

 

Doris Lessing – Die Kluft… gelesen

In meinem Kopf waren in den letzten Wochen viele Gedanken bezüglich Krieg, Flucht, Sorge, Schutz, Hilfe, Angst… Keine guten Momente fürs Lesen oder Schreiben.

Als ob ich es im Jänner schon geahnt hätte, habe ich mir für September das Buch „Zuhause ist überall“ von Barbarea Coudenhove-Kalergi zurechtgelegt – und es nicht gelesen, sondern auf die Seite gelegt. Gleich neben mein neu gekauftes Buch „Auf der Flucht“ von Karim El-Gawhary und Mathilde Schwabeneneder. Beide Bücher sind für mich im Moment nicht lesbar.

Was ich aber schlußendlich doch geschafft habe zu lesen, war das August Buch:

Lessing

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hab ja vorüberlegt, ob dies ein Buch pro oder kontra Feminismus ist… Ich kann es Euch nach dem Lesen des Buches nicht sagen.

Natürlich geht es um das Verhältnis von Männern zu Frauen zu Männern. Es geht um das Verhältnis der Spalten zu den Ungeheuern. Es werden alle üblichen Klischees verwendet in diesem Buch. Männer sind verantwortungsloser im Umgang mit Kindern, dafür beschäftigen sie sich mit Definitionen und Begriffen. Frauen denken ganzheitlicher und weitsichtiger, sind aber viel unklarer in Aussagen. Die Spalten behandeln die Ungeheuer schlecht, die Männer verhalten sich keineswegs besser den Frauen gegenüber.

Wäre die Welt besser ohne das jeweils andere Geschlecht?

Die Sprache dieses Buches ist nicht die meine und das Ansiedeln der ganzen Geschichte in einer ganz frühen Zeit erinnert mich ein wenig an die Mutmaßungen der historischen Romane, die ich auch nicht mag.

Beim Lesen konnte ich mich auf das Feminismus-Thema gar nicht richtig einlassen. Doch was ich mir aus diesem Buch rausgeholt habe, ist die Anregung über Unterschiedlichkeiten nachzudenken.

Angesichts der weltweiten Ereignisse erscheint mir ein Nachdenken auf theoretischer Ebene, über die Unterschiedlichkeiten zwischen Männern und Frauen gerade sehr nichtig.

Vielmehr habe ich mich gefragt, welchen Unterschied es macht, wo ich geboren bin. In Österreich oder in Syrien. Welchen Unterschied es macht, welcher Religion ich zugeordnet werde (vielleicht sogar, ohne sie aktiv auszuüben). Welchen Unterschied es macht, ob ich viel Bildung bekommen habe oder nicht. Welchen Unterschied es macht, in welchen sozialen Schichten ich mich bewege. Welchen Unterschied es macht, ob ich an mich denke oder ein wenig über den Tellerrand in die Welt schaue. Welchen Unterschied es macht, ob ich Geld habe oder nicht.

Die Entwicklung der Welt wird in Zukunft jedoch keineswegs einfacher werden und die Unterschiedlichkeiten zwischen Männern und Frauen werden im praktischen Zusammenleben der vielen verschiedenen Menschen wieder einen großen Platz einnehmen.

Ich glaube Virginia Woolf hat mal sinngemäß geschrieben: Männer und Frauen sind verschieden. Wichtig ist nur, welcher Wert diesem Unterschied beigemessen wird.

Welche Werte den Unterschieden beigemessen werden…

Dies gilt wohl bei allen Unterschieden, nicht nur bei den Frauen und Männern…

Ganz pathetisch wünsch ich mir (und früher hat das Wünschen ja sogar angeblich geholfen) weniger Bewertung und dafür mehr Wertschätzung von Unterschieden.

 

 

Sunwalker…

Gerade ist wieder ein Tuch fertig geworden.

Diesmal von Melanie Berg aka Mairlynd.
Eine deutsche Designerin, deren Tücher viel im englischsprachigen Raum gestrickt werden.

Was ich an ihren Tüchern mag? Sie sind groß!
Aber sie designt nicht nur Tücher, sondern auch Pullis, Jacken, Hauben und so weiter. Unter dem Titel „Texture is the new black“ hat sie eine ganze Reihe von Mustern herausgebracht, die sich alle mit strukturierter Wolle und strukturierten Mustern beschäftigen.

Ich habe mir daraus das Tuch sunwalker gewählt und gleich wieder die passende Wolle aus dem Internet geholt… Malabrigo finito.

Malabrigo finito 025 bronce

Hätte ich bloß nicht!!
Vor ungefähr zwei Wochen hat nämlich in Graz ein neues Wollgeschäft aufgemacht. Die Freundin einer Freundin hat es eröffnet. Schon im Vorfeld habe ich versucht rauszukriegen, was es denn dort für Wolle zu kaufen geben wird, aber meine strickunmotivierte Freundin hatte ja keine  Ahnung. Also gingen wir halt hin.
Ich trug eines meiner Melanie Berg Tücher (das kennt ihr noch nicht… ich stricke mehr als ich blogge). Wir betraten das Wollgeschäft und wurden sofort mit den Worten „Das ist ein Melanie Berg Tuch!“ begrüßt. Ich war völlig baff… die anderen Wollgeschäftbesitzerinnen in Graz kennen diese Designerin nämlich nicht!
Dann schaute ich mich um und suchte die üblichen Verdächtigen… (Lana grossa, Lang, Opal…).  Nix zu sehen! Dafür die Wolle meines sunwalkers! Es wimmelt in diesem Geschäft von Malabrigo, Manos del Uruguay, Ito, Ferner…. lauter wunderschöne Wolle, die zuvor noch keinen Grazer Boden betreten hatte!!
Eigentlich brauchte ich gar keine Wolle, war ich doch eine Woche zuvor in Regensburg am Wollfest und kam mit reicher Beute heim… aber wie heißt es so schön „Wolle kommt von wollen und nicht von brauchen!“

Darum habe ich jetzt 4 wunderschöne Wollstränge mehr… und die strickunmotivierte Freundin strickt jetzt Socken… Dies alles hat die Maschenwerkstatt bei uns bewirkt! Die homepage ist noch nicht fertig, aber das Geschäft hat schon geöffnet!

Aber nun zurück zum sunwalker.
Am Anfang kam gaaanz lange ein einfaches Strukturmuster.

Maschenbild

Dies ging dann in einen Lace-Teil über, der sich ewig hinzog…

Lace2a

Aber kein Wunder, das ist mit Abstand das größte Tuch, das ich je gestrickt habe.

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Auf den Fotos wirkt die Farbe des Tuches immer anders. Es schimmert in rosa, braun, gelb und violett. Die Farbe nennt sich bronce. Und trotz meiner Fotografierfortschritte im heurigen Jahr bin ich nicht in der Lage dieser Farbe auf Fotos gerecht zu werden. Es ist zum Heulen!

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Frau kann sich wunderbar darin einhüllen und die Wolle ist sensationell weich!

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Da Herr be8ung in Regensburg auch Wolle gekauft hat (für sich und mich!!), bin ich jetzt ein wenig unter Druck, einen Schal für ihn zu stricken… dabei gäbe es noch so viele schöne Tücher für mich von Mairlynd…

Flight of Fancy…

Die Firma Scheepjes ist eine holländische Wollfirma, die wunderbare Wollen macht. Ich habe Scheepjes Wolle bereits für meine Sophie verwendet (da fällt mir auf, ich hab Euch die fertige Decke noch gar nie gezeigt!!!)

Zur Einführung des neuen Garns – Scheepjes Linen Soft Yarn – haben sie wieder einen CAL (ihr erinnert Euch… CAL) veranstaltet. Die Designerin ist Annelies Baes. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und hab mir das „flight of fancy pack“ bei Deramores übers Internet organisiert.

Wolle 4

Es kam nicht nur das Garn, sondern auch eine Tasche zur Aufbewahrung, die passende Häkelnadel, ein Label zum Aufnähen  und eine Tuchnadel (die ist aber nicht so ganz nach meinem Geschmack… aber vielleicht kann ich sie ja noch behübschen).

Wolle 1

 

Jede Woche gab es über facebook die Anleitungen in vier Sprachen und dazu noch ein englisches Video auf dem blog It’s all in a Nutshell. Beim Nachhäkeln war frau für alle Schwierigkeiten gerüstet.

Zuerst erschien es noch ganz einfach. Woche für Woche wurden Blümchen gehäkelt. Acht Wochen lang jeweils acht Stück pro Motiv.

 

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Am Ende wurde alles relativ lose miteinander verbunden, außen wurde noch eine kleine Zierkante gemacht und plötzlich ergab dies einen laaangen Blumenschal!

fertig

 

Das mühsamste war das Vernähen der Fäden. Sechs Fäden pro Blume ergab ungefähr 400 Fäden…

Der Sommer hat sich ja angeblich heute bei uns verabschiedet – aber nicht bei mir!

Mit dem Schal hülle ich mich (oder doch das Fräulein Sachbearbeiterin sich??) einfach in den Sommer ein!

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Doris Lessing – Die Kluft

Doris Lessing ist ebenfalls eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie behandelt in ihren Büchern so viele Themen, die mich in meinem Leben interessiert haben. Afrika, Kommunismus, Revolution, Frauenthemen…

 

Lessing

Die Kluft habe ich 2011 in Leibnitz – zugleich mit Eva Menasse, Lässliche Todsünden gekauft. Also auch schon gut abgelegen. Gekauft habe ich es weil ich die Autobiographien von Doris Lessing („Unter die Haut“ und „Schritte im Schatten“)geliebt habe, das „Goldene Notizbuch“ mich fasziniert hat und ich mit dem „fünften Kind“ und „Ben in der Welt“ mitgelitten habe.

Immer wieder hat sich Doris Lessing auch kritisch zum Feminismus geäußert und dann die „Die Kluft“.

„Eine mythische Gesellschaft von Frauen wird beschworen, die frei von Intrigen, Eifersucht und Rivalität lebt – eine Gesellschaft ohne Männer. “ – soweit der Klappentext.

Wird das nun ein Buch pro oder kontra Feminismus? Ist es noch notwendig eine Position zum Feminismus zu beziehen? Ist der Feminismus tot? Weil er nicht mehr notwendig ist? Ist er notwendiger denn je, weil die jungen Frauen die Fallen nicht mehr sehen?

Spannende Gedanken schon vor dem Lesen… auf geht’s meine Damen und Herren!!

Restldecke…

Eine Zeitlang hab ich fast ausschließlich Socken gestrickt.

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Die fanden reißenden Absatz, denn im Winter trägt die ganze Familie mittlerweile handgestrickte Socken.

 

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Allerdings bleibt fast immer ein Rest. Wegwerfen wär schade, aber aus mehreren Restln einen Socken zu stricken, erschien mir zu bunt.

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Beim Durchforsten des Internets kam ich dann auf die Idee, eine Decke zu häkeln.

Aus jedem Restl gingen sich ungefähr 4 Grannys aus. In Summe ergab das 63 Grannys.

63 Stück

Anschießend bekamen alle noch eine hellbeige Umrandung.

31 Grannys hell umhäkelt

 

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Das war noch nicht genug. Eine braune Umrandung folgte und mit dem gleichen Arbeitsschritt wurden sie dann auch miteinander verbunden.

braune Runde1

alle 63 braun umhäkelt

 

Fehlt nur noch eine Abschlußkante, abwechselnd aus bunt und beige – mit einem Schuß braun.

 

 

Umrandung2

 

 

 

Umrandung1

Ein tolles Mitnehmprojekt für langweilige Autofahrten.

Einige Wochen daran gehäkelt, in ein paar Minuten darüber gebloggt und in einer Sekunde verschenkt – aber hoffentlich jahrelange Freude beim Empfänger!

fertig

 

 

 

 

Strickmich! Club Fifteen-Two

Die Zeit rast dahin… aber so könnte ich wohl jeden Blog-Beitrag anfangen.

Kaum hab ich Euch über Fifteen-One berichtet, gibt es auch bereits Fifteen-Two!

Der Beitrag übers erste Tuch war eigentlich schon ewig fertig, aber ich hab vergessen auf den Veröffentlichen-Button zu drücken.

Das zweite Tuch hat mir viel mehr Freude beim Stricken gemacht hat und deshalb war ich rasch fertig damit.

Aber von Anfang an…

Die Wolle kommt diesmal von Handu aus Finnland.  Illona Korhonen ist eigentlich Musikern, aber auch eine wunderbare Wollfärberin.

Das Design des Tuches kommt wie immer von Martina Behm und dem Strickmich! Club und nennt sich Baltic Summer.

 

Wolle2

Beim Versand werden die AusländerInnen immer bevorzugt und als nahes Ausland hab ich dann mein Packerl immer rasch. Diesmal nicht.

Eine Woche nach Versandbestätigung kam mir das Ganze schon ein wenig komisch vor und ich hab dann doch mal mit der Versandnummer auf die homepage der deutschen Post geschaut.

Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass mein Packerl in Frankfurt in ein Flugzeug gehüpft ist und nach New York geflogen ist. In den nächsten Tagen konnte ich beobachten, wie es in New York immer wieder vom Großlager in einen Auslieferungswagen verfrachtet wurde und der Postwagen sich scheinbar auf die Suche nach Graz machte….

Nach einer Woche hatten die New Yorker Einsicht und es wurde ihnen klar, dass sie nichts finden werden und sie schickten mein Päckchen kurzerhand nach Madrid.

Die Spanier schalteten schnell und schupften es nach Wien und von dort hat es mich dann erreicht und wurde mit großem Jubel empfangen!

Collage

 

Die Farbe der Wolle ist Myrsky und eine Mischung aus braun, grün, türkis. Eine wunderschöne Farbe, aber teuflisch beim Fotografieren. Bin ich froh, dass ich schon ein wenig Bildbearbeitung gelernt habe in diesem Jahr, sonst würdet ihr das Tuch ständig in blau sehen – so erscheint die Farbe nämlich auf dem Foto!

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Es ist ein relativ kleines Tuch mit lauter Zacken rundherum.

Durch die dunklen, gedeckten Farben steht es Herrn be8ung auch ganz gut.

fertig

Doch diesmal wird das Tuch bei mir bleiben… eventuell kriegt er es manchmal geliehen…

Aber nur wenn mein neuer Mitbewohner es wieder hergibt…

waves fertig

Lily Brett – Chuzpe… gelesen

Bei diesem Buch dauert das Schreiben darüber länger als das Lesen!

Brett

Schon im Vorfeld habe ich geahnt, dass dieses Buch ein gutes Buch sein wird und so war und ist es.

Die Auswahl der Zitate fällt wirklich schwer, denn es ist fast auf jeder Seite ein Satz in den man sich verlieben kann.

Das fängt schon an auf Seite 6…

„Du redest wie mein Vater“, antwortete Ruth.
„Dein Vater ist völlig in Ordnung“, sagte Sonia.
„Anderer Leute Väter sind immer in Ordnung“, sagte Ruth

Mit diesem Zitat wird auch schon klar, worum es geht. Um eine Vater-Tochter-Beziehung.

Ruth ist die Tochter eines Holocaust-Überlebenden. Sie lebt in New York und er ist im hohen Alter, nach dem Tod seiner Frau, von Australien nach New York gezogen.

Sie haben eine sehr enge Beziehung und es ist nicht immer klar, wer die Eltern-Rolle und wer die Kind-Rolle hat. Sie sehen sich täglich, waren (in einem früheren Buch) auch gemeinsam auf Heimaturlaub in Polen.

Von dort kennen sie auch Zofia und Walentyna – zwei polnische Witwen.

Neben all ihren Alltagssorgen hat Ruth nun auch noch neue Sorgen um ihren Vater Edek und seine beiden polnischen Witwen im Kopf. Die haben nämlich ganz eigene Pläne und stürzen sich Hals über Kopf hinein in ihre Ideen.

Diese ganze Rahmenhandlung rund um Edek, Zofia und Walentyna zieht sich durch das ganze Buch.

Für mich passiert das Interessante allerdings in Ruths Kopf. Ihre Gedanken scheinen keine Pause zu machen und fast jeglicher Gedanke wird gut überlegt, geprüft. Jedes Gespräch in Gedanken durchgespielt, jeder Satz, jedes Wort auf die Waagschale gelegt.

Diese Wortspielereien, dieses Nachdenken über einzelnen Wörter und ihre Wichtigkeit, ihre Bedeutung und ihre Verwendung sind für mich die Krönung dieses Buches.

„Viele Dinge sind nicht normal“, sagte Ruth. „Viele Dinge, die normal sind, sollten es nicht sein. Wenn man abends die Nachrichten sieht, könnte man meinen, dass die Welt von Männern beherrscht ist. Und man hätte recht. Aber das ist nicht normal.“ (Seite 7)

Bevor ich noch das ganze Buch abschreibe, schließe ich mit einem Zitat und lege Euch dieses Buch nachdrücklich ans Herz!

Ruth ließ den Blick an ihrem eigenen Körper hinunterwandern. Er sah wesentlich mitgenommener aus. Vielleicht machten Angst und Anspannung nicht nur der Psyche merklich zu schaffen. Vielleicht wurden Brüste aus lauter Verzweiflung zum Hängebusen, vielleicht gaben sich Oberschenkel und Hintern einfach auf. (Seite 233)

Und dieses Buch hat auch schon eine Empfängerin, die sich hoffentlich darüber freuen wird!

Zeigt her eure Schuhe…

Im Advent waren wir am Schloßberg beim Aufsteirern Adventmarkt. Dort war auch ein Stand mit Schuhen. Das waren nicht einfach Schuhe, das waren Meisterwerke.

Beim Bewundern dieser Werke kamen wir auch mit den Machern ins Gespräch und erfuhren so, dass wir uns unsere Schuhe im Schuhworkshop selber machen könnten!!

Nach drei Bechern Glühwein war es beschlossene Sache und wir buchten den workshop.

So kam es, dass wir im März nach Fürstenfeld reisten um bei Bednar  Strunz unsere Schuhe zu machen.

Vier Wochen vor dem workshop  waren wir schon auf einen ersten Besuch in der Werkstatt um Leder und Modell festzulegen und unsere Füße vermessen zu lassen.

Der workshop selbst startet freitgs um 18.00 Uhr und endet sonntags, wenn die Schuhe fertig sind.

10 TeilnehmerInnen machten sich auf in das Wagnis „flexibel genähte Schuhe auf Naturformleisten“  unter der fachkundigen Anleitung von Harald Bednar und Herbert Strunz zu fertigen.

Dann war es soweit.  Unser persönliches Materialkisterl wurde uns überreicht. Darin befand sich Werkzeug, ganz viele verschiedene Sohlen und die Schuhe. Da es unser Können übersteigen und die Zeit sprengen würde, sind die feinen Näharbeiten bereits erledigt und das Oberleder bereits in Form gebracht und genäht. Aber keine Sorge, es bleibt genug zu tun!

Das Oberleder muss mit Zangen gespannt werden und  sorgfältig über den Leisten gezogen werden und dort mit unzähligen kleinen Nägel fixiert werden. So wird eine erste Formung erzielt.

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Jeder Arbeitsschritt wird von den Meistern kontrolliert und abgenommen.

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Und sie machen das pädagogisch sehr wertvoll. Immer loben und bewundern sie unsere Arbeit – um dann doch wieder einige Nägel rauszuzupfen und eigenhändig nachzuspannen und das Leder faltenfrei festzunageln.

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Der Freitag endet um 22.00 Uhr und unsere Finger tun ganz schön weh.

Samstag früh kommt dann der Befehl, die Nägel alle wieder rauszuziehen!! Es werden nämlich Vorderkappen eingefügt. Dafür muss die Vorderkappe erwärmt werden und wird dann hineingeklebt. Ja genau, das Oberleder wird dann wieder drübergezwickt – auf gut deutsch, es wird wieder genagelt.

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Zwicken, Kleben, Hammern, Kleben, Schleifen, Zwicken…. so geht es den ganzen Samstag dahin.

 

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Dann wird genäht. Mit einer Ahle wird ein Loch durch das Leder und die Zwischensohle gestochen und dann mit zwei dicken Nadel und zwei Fäden durch dieses Loch durchgestochen. Einmal rundherum um den ganzen Schuh. Nur zur Vorstellung – das sind bei einem Schuh ungefähr 100 Löcher geworden!!

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Dann wird wieder geklebt und geschliffen und wieder geklebt und geschliffen und wieder geklebt und geschliffen. Bis die letzte Sohlenschicht ihren Platz gefunden hat.

Der spannende Moment des Ausleistens ist gekommen.

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… und dann die erste Anprobe!!!

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Sie passen und ich liebe sie!!

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Wer jetzt Lust auf selbstgemachte Schuhe kommt, kann ja im September beim Aufsteirern in Graz zum Stand von Bednar und Strunz gehen…

 

 

Lily Brett – Chuzpe

Lily Brett… ist Euch hoffentlich schon ein Begriff?!

Sie wurde 1946 in Deutschland geboren und wuchs in Australien auf. Nun lebt sie in den USA.

1999 erschien ihr erster Roman „Einfach so“, der mich damals sehr ergriffen hat. Dann las ich „Zu viele Männer“ und alles „Halb so schlimm“ und vielleicht auch noch mehr. An diese drei Bücher kann ich mich erinnern.

Bei all ihren Büchern hab ich mich immer gefragt, wieviel ist real, wieviel ist erdacht. Wie sehr wirken sich die Erfahrungen der Eltern-Generation auf die Kinder aus und weiter auf die Enkelkinder? Wie weit reicht ein kollektives Gedächtnis?

Ihre Eltern heirateten im Ghetto von Lodz und überlebten Ausschwitz.

Dieser Satz erklärt die Themen in Lily Bretts Büchern und ringt mir immer höchste Hochachtung ab, mit welcher Leichtigkeit und zugleich Schwermut sie über ihre (?) jüdische Familie schreibt.

Und nun „Chuzpe“.
Das Buch ist 2007 als Taschenbuch in deutsch erschienen und genau so lange liegt es schon bei mir. Gekauft habe ich es in Graz und sicherlich wegen der Autorin.

 

Brett

 

Manchmal frage ich mich wirklich, wann und warum ich eigentlich aufgehört habe, wie eine Verrückte zu lesen?

Vielleicht gelingt es mir im Juli wieder in dieses Lesefieber von früher hineinzukommen?