Lily Brett – Chuzpe… gelesen

Bei diesem Buch dauert das Schreiben darüber länger als das Lesen!

Brett

Schon im Vorfeld habe ich geahnt, dass dieses Buch ein gutes Buch sein wird und so war und ist es.

Die Auswahl der Zitate fällt wirklich schwer, denn es ist fast auf jeder Seite ein Satz in den man sich verlieben kann.

Das fängt schon an auf Seite 6…

„Du redest wie mein Vater“, antwortete Ruth.
„Dein Vater ist völlig in Ordnung“, sagte Sonia.
„Anderer Leute Väter sind immer in Ordnung“, sagte Ruth

Mit diesem Zitat wird auch schon klar, worum es geht. Um eine Vater-Tochter-Beziehung.

Ruth ist die Tochter eines Holocaust-Überlebenden. Sie lebt in New York und er ist im hohen Alter, nach dem Tod seiner Frau, von Australien nach New York gezogen.

Sie haben eine sehr enge Beziehung und es ist nicht immer klar, wer die Eltern-Rolle und wer die Kind-Rolle hat. Sie sehen sich täglich, waren (in einem früheren Buch) auch gemeinsam auf Heimaturlaub in Polen.

Von dort kennen sie auch Zofia und Walentyna – zwei polnische Witwen.

Neben all ihren Alltagssorgen hat Ruth nun auch noch neue Sorgen um ihren Vater Edek und seine beiden polnischen Witwen im Kopf. Die haben nämlich ganz eigene Pläne und stürzen sich Hals über Kopf hinein in ihre Ideen.

Diese ganze Rahmenhandlung rund um Edek, Zofia und Walentyna zieht sich durch das ganze Buch.

Für mich passiert das Interessante allerdings in Ruths Kopf. Ihre Gedanken scheinen keine Pause zu machen und fast jeglicher Gedanke wird gut überlegt, geprüft. Jedes Gespräch in Gedanken durchgespielt, jeder Satz, jedes Wort auf die Waagschale gelegt.

Diese Wortspielereien, dieses Nachdenken über einzelnen Wörter und ihre Wichtigkeit, ihre Bedeutung und ihre Verwendung sind für mich die Krönung dieses Buches.

„Viele Dinge sind nicht normal“, sagte Ruth. „Viele Dinge, die normal sind, sollten es nicht sein. Wenn man abends die Nachrichten sieht, könnte man meinen, dass die Welt von Männern beherrscht ist. Und man hätte recht. Aber das ist nicht normal.“ (Seite 7)

Bevor ich noch das ganze Buch abschreibe, schließe ich mit einem Zitat und lege Euch dieses Buch nachdrücklich ans Herz!

Ruth ließ den Blick an ihrem eigenen Körper hinunterwandern. Er sah wesentlich mitgenommener aus. Vielleicht machten Angst und Anspannung nicht nur der Psyche merklich zu schaffen. Vielleicht wurden Brüste aus lauter Verzweiflung zum Hängebusen, vielleicht gaben sich Oberschenkel und Hintern einfach auf. (Seite 233)

Und dieses Buch hat auch schon eine Empfängerin, die sich hoffentlich darüber freuen wird!

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