Marlene Streeruwitz – Partygirl… gelesen

Uff, das war ein anstrengendes Buch!

Streeruwitz

 

 

 

 

 

 

 

Nix mit Spaß, Party und Stimmung.

Das Buch hinterlässt Leere und Ratlosigkeit – zumindest bei mir.

Es beginnt in einem düsteren Leben in Chicago und geht quer durch alle schillernden Orte dieser Welt immer weiter zurück bis nach Baden bei Wien.

Von viel Alkohol, Drogen und Sex wird erzählt. Darüber schwebt immer wieder diese Leere, diese Sinnlosigkeit, dieses Dahinschweben im Dasein, aber nie dasein.

Widerliche Menschen begegnen einem in diesem Buch. Wenige Menschen, die frau beim Lesen liebgewinnt.

Madeline Ascher ist die Protagonistin diese Buches und führt uns durch all diese Plätze der Welt. Eine Reise durch die Welt, die auch eine Reise durch ihr Leben ist. Aber egal, wo sie sich befindet, sie fühlt sich fremd. Ob sie jung oder alt ist, reich oder arm, es ändert nichts an ihren Gefühlen. Ihre Gefühle für ihren Bruder Rick, ihre Gefühle zu sich selbst. Alle Menschen scheinen durch sie durchzugehen, sie nicht zu berühren. Sie bleibt eine Beobachterin ihres eigenen Lebens.

Immer wieder möchte man schreien „Mach was!“, aber alle Schreie würden wohl abprallen. Madeline ist versunken in ihrer Psyche, ihrem Leiden, ihrer Unfähigkeit in Kontakt zu treten mit sich selbst und anderen.

Was faszinierend ist an diesem Buch, ist der Stil. Man hat das Gefühl, dabei zu sein, alles zu beobachten, wie in Zeitlupe. Jede Handlung ist bis ins kleinste Detail beschrieben. Das Geschehen ist zum Greifen nah – so wie in Arezzo (Partygirl, Seit 158).

„Die Tür stand offen. Sie mußte nicht läuten. Niemanden aufwecken. Das Haus stand still. In der Mittagssonne. Madeline stieß die Tür mit dem Fuß weiter auf. Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen die schwere Eichentür. Schob die Tür auf. Sie hatte keine Hand frei. Sie mußte den Plastiksack mit den Einkäufen mit beiden Händen halten. Der Plastiksack war durchgerissen. Die Naht unten war aufgegangen. Die Eierschachtel. Das Mehl. Die Butter. Die Schokolade. Die Marillenmarmelade. Der Zucker. Alles war auf den Autositz zurückgeplumpst. Sie hatte die Lebensmittel in das Plastik eingewickelt, um sie ins Haus tragen zu können. Sie hielt das Platik untern zusammen. Mit der einen Hand. Mit dem anderen Arm umfing sie die Einkäufe. Hielt sie zusammen.“

Man gleitet durch das Leben von Madeline, sieht zugleich ihren Verfall und ihre Fähigkeit über den Dingen zu schweben.

Hat sie ihr Ziel in Chicago am Ende erreicht?

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